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    Paritätischer in Bayern
    begrüßt Aussetzung der
    Abschiebungen nach
    Afghanistan
-  Die Frauenhilfe aktuell
    in der SZ
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    am 8. März 2017:
    Wie Kinder häusliche
    Gewalt verarbeiten
-  Geflüchtete Frauen und
    Mädchen vor Gewalt
    schützen
-  Erfahrungen aus der ersten
    Frauen-Flüchtlingsunter-
    kunft in Bayern
-  Pressemitteilung 08.11.2016
    Bayerische Sozialministerin
    besucht Münchner
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    Zwischen Kinderschutz und
    Elternrecht
-  Besuch der Delegation des
    Frauenausschusses des
    EU Parlaments
-  Erste Frauen-
    Flüchtlingseinrichtung
    in Bayern
-  Münchner Aktionsbündnis
    für Flüchtlingsfrauen
Der Paritätische in Bayern


Condrobs Frauenhilfe profamilia
P R E S S E M I T T E I L U N G

Erste Frauen-Flüchtlingseinrichtung in Bayern
Paritätisches Kooperationsprojekt zur Flüchtlingshilfe für verbesserte Unterbringung von Flüchtlingsfrauen

München, 18. Dezember 2015 – In einer der geplanten Gemeinschaftsunterkünfte für Flüchtlinge in München entsteht zum Jahresbeginn 2016 eine reine Frauen-Flüchtlingseinrichtung, in der ausschließlich Flüchtlingsfrauen mit und ohne Kinder betreut werden. Die Überbrückungsunterkunft gewährleistet eine Rund-um-die-Uhr-Betreuung für allein geflüchtete Frauen mit oder ohne Kinder. „Durch den großen Flüchtlingsansturm und die überfüllten Erstaufnahmeeinrichtungen ist der Bedarf an einer solchen Einrichtung größer denn je. Wir freuen uns sehr, dass wir mit Beginn des neuen Jahres starten können“, erklärt Eva Egartner, Geschäftsführende Vorsitzende Condrobs. Die enge Kooperation der Träger Condrobs, Frauenhilfe und pro familia ermöglicht den schnellen, unbürokratischen Start im unmittelbaren Anschluss an die Genehmigung durch das Amt für Wohnen und Migration der Landeshauptstadt München.

Besondere Schutzbedürfnisse für Frauen
Monatlich kommen ca. 80 bis 90 Flüchtlingsfrauen mit und ohne Kinder in München in den Erstaufnahmeeinrichtungen alleine an. In der Regel flüchten Frauen im Familienverbund, mit ihren Partnern oder anderen männlichen Beschützern. In Deutschland kommen sie jedoch häufig allein an, weil sie von ihrem Partner oder männlichen Beschützer auf der Flucht getrennt wurden, weil dieser vermisst wird oder verstorben ist. Zu den ohnehin schon schlimmen Umständen, die sie zur Flucht aus ihrer Heimat zwangen, kommen für Frauen während der Flucht traumatische Erfahrungen wie Gewalterfahrungen, Missbrauch durch Menschenhändler, sexuelle Belästigung bis zur Vergewaltigung hinzu.
Neben dem puren Überleben ist es das Ziel dieser Frauen, ein gewaltfreies und selbstbestimmtes Leben in Freiheit führen zu können und ihre Kinder in gewaltfreier Umgebung erziehen zu können. Gerade daher müssen sie hier vor neuen Gewalterfahrungen umfassend geschützt werden. „Die Unterbringungsbedingungen in Gemeinschaftsunterkünften sind aber im Normalfall nicht auf diese speziellen Schutzbedürfnisse ausgerichtet. Selbst wenn ein separates Haus auf dem Gelände einer Gemeinschaftsunterkunft nur für Frauen zur Verfügung steht, ist noch nicht sicher, dass sie Schutz auch in dem Maße erfahren, wie sie ihn benötigen. Daher ist eine Flüchtlingseinrichtung nur für Frauen und völlig unabhängig von anderen Gemeinschaftsunterkünften so wichtig“, begründet Egartner das Projekt.

Kooperationsbündnis für optimale Betreuung von Flüchtlingsfrauen
Im Sommer dieses Jahres haben die drei paritätischen Träger Condrobs, Frauenhilfe und pro familia aus diesen Gründen ein Kooperationsbündnis gegründet, um den speziellen Schutzbedürfnissen von Flüchtlingsfrauen bei der Unterbringung gerecht zu werden. „Condrobs, Frauenhilfe und pro familia verfolgen gleiche Ziele, leben dieselben Werte und verfügen über langjährige Erfahrung in der Frauen-, Flüchtlings- und Familienhilfe – optimale Voraussetzungen, um der Stadt München ein gemeinsames Angebot zur Betreuung von Flüchtlingsfrauen und Familien zu unterbreiten“, erläutert Waltraud Dürmeier, Geschäftsführerin der Frauenhilfe München. Zudem hatten sich Condrobs und die Frauenhilfe bereits im vergangenen Jahr vehement dafür eingesetzt, dass Frauen eine frauenspezifische Beratung und Betreuung für sich und ihre Kinder benötigen und auf eigenen Wunsch hin getrennt von Männern untergebracht werden, insbesondere wenn sie allein geflüchtet sind.

Asylsozialberatung in der Richard-Strauss-Straße
Auf Initiative des Kooperationsbündnisses hin ist bereits seit November dieses Jahres das erste gemeinsame Projekt, eine Asylsozialberatung mit dem Fokus auf Familien und allein geflüchtete Frauen mit oder ohne Kinder, Realität. In dem ehemaligen Bürokomplex von Siemens in der Münchner Richard-Strauss-Straße leben Männer, Frauen und Familien unterschiedlichster Herkunft und Kulturen mit unterschiedlichen Sprachen und Lebenskonzepten zusammen, die zudem alle eine traumatische Fluchterfahrung hinter sich haben – bis zu 500 zugewiesene AsylbewerberInnen mit ihren Kindern. Die Menschen hier haben Sorge um zurückgebliebene Familienangehörige und müssen mit Trauer, Verlust und Ohnmachtserfahrungen, bedingt durch Flucht und Repressionen im Herkunftsland, fertig werden. "Für Familien und Kinder stellt dieser Zustand besondere Belastungen dar, unsere Fachkräfte sind tagtäglich mit sehr komplexen Problemlagen konfrontiert", erläutert Christian Reisenberg, Geschäftsführer von pro familia München, die schwierige Situation für alle Beteiligten. Die Asylsozialberatung begleitet, betreut und berät die Menschen bei Fragen bezüglich des Asylverfahrens, Vermittlung in weiterführende Hilfsangebote, und vor allem um die AsylbewerberInnen darin zu unterstützen, sich in der für sie fremden Kultur und Gesellschaftsordnung zurechtzufinden. Das Kooperationsprojekt hat sich zum Ziel gesetzt, die Situation geflüchteter Frauen und Familien insgesamt zu verbessern und sich nachdrücklich dafür einzusetzen, dass die Sicherheit für diese besonders schutzbedürftigen Menschen in allen Flüchtlingsunterkünften gewährleistet ist.

Über Condrobs:
Condrobs ist mit knapp 60 Einrichtungen und einer Beschäftigungs GmbH einer der größten überkonfessionellen Träger für soziale Hilfsangebote in Bayern. Aktuell begleitet die Organisation mit rund 600 MitarbeiterInnen 12.000 Hilfesuchende. Seit mehr als 40 Jahren verfolgt Condrobs ein Ziel: mit individuell auf die Bedürfnisse des Einzelnen abgestimmten Angeboten Menschen eine Brücke in ein selbstbestimmtes, gesundes Leben zu bauen. Ob Kinder, Jugendliche oder junge Erwachsene mit Schwierigkeiten, minderjährige und erwachsene Flüchtlinge, süchtige Frauen und Männer, Angehörige oder ältere KonsumentInnen – die Hilfen von Condrobs sind im Lauf der Jahrzehnte stetig gewachsen. Konzentrierte man sich anfangs rein auf die Prävention und die Hilfen für Suchtgefährdete und -kranke, ist Condrobs heute ebenso in der Kinder- und Jugendhilfe, der Flüchtlingshilfe, der Altenhilfe, der psychiatrischen Versorgung sowie im Ausbildungs- und Beschäftigungsbereich aktiv. Ein besonderes Anliegen des Vereins sind Präventions- und Hilfsmaßnahmen für Kinder und Jugendliche sowie die Unterstützung von Betrieben bei der Gesundheitsförderung.


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