-  Pressemitteilung 02.06.2017:
    Paritätischer in Bayern
    begrüßt Aussetzung der
    Abschiebungen nach
    Afghanistan
-  Die Frauenhilfe aktuell
    in der SZ
-  SZ Artikel zum Weltfrauentag
    am 8. März 2017:
    Wie Kinder häusliche
    Gewalt verarbeiten
-  Geflüchtete Frauen und
    Mädchen vor Gewalt
    schützen
-  Erfahrungen aus der ersten
    Frauen-Flüchtlingsunter-
    kunft in Bayern
-  Pressemitteilung 08.11.2016
    Bayerische Sozialministerin
    besucht Münchner
    Unterkunft
-  09.06.2016:
    Zwischen Kinderschutz und
    Elternrecht
-  Besuch der Delegation des
    Frauenausschusses des
    EU Parlaments
-  Erste Frauen-
    Flüchtlingseinrichtung
    in Bayern
-  Münchner Aktionsbündnis
    für Flüchtlingsfrauen
Der Paritätische in Bayern

Münchner Aktionsbündnis für Flüchtlingsfrauen

Besonderer Schutz für geflüchtete Frauen und ihre Kinder

1. Ausgangslage

Krieg, Gewalt, Menschenrechtsverletzungen und Armut führen dazu, dass weltweit die Zahl an Menschen, die aus ihrer Heimat fliehen, stark ansteigt. Für Mädchen und Frauen kommen geschlechtsspezifische Fluchtursachen hinzu.
Sie flüchten vor Vergewaltigung, sexueller Ausbeutung, vor Übergriffen wegen ihrer gleichgeschlechtlichen Lebensweise, Genitalverstümmelung, Zwangsverheiratung und Zwangsverschleierung.
Auf ihrer zum Teil jahrelangen Flucht sind sie erneut in starkem Maße sexuellen Übergriffen, Gewalt und Bedrohungssituationen ausgesetzt und werden nicht selten Opfer von Menschenhandel und Zwangsprostitution. Oftmals kommen sie traumatisiert in Deutschland an, in der Hoffnung, hier einen sicheren Ort vorzufinden.

2. Die Situation in den Unterkünften

Die starke Zunahme von schutzsuchenden Flüchtlingen hat zu einer steigenden Zahl an prekären Unterkünften geführt.
Zahlreiche strukturelle Defizite in der Unterbringung haben enorme Verschärfungen des Zusammenlebens zur Folge. Eng stehende Betten in überfüllten Räumen ohne Rückzugsmöglichkeiten und ohne Schutz der Privat- und Intimsphäre, fehlende separate Sanitärräume, weite Wege zu den Sanitäranlagen und ein hoher Geräuschpegel führen zu einem erhöhten Aggressionspotential unter den BewohnerInnen.
Geschlechtsspezifische Bedürfnisse werden in der Regel nicht berücksichtigt.
Die Möglichkeit, das Essen für sich und die Kinder selbst zuzubereiten, ist meist nicht gegeben. Wichtige Routinen, die Halt und Identität stiften, fallen damit weg.
Der enge räumliche Kontakt mit Männern kann für alleinstehende geflüchtete Frauen eine hochbelastende Situation sein.
Diese unerwünschte Nähe kann Angst und Bedrohungsgefühle bis hin zu Retraumatisierungen auslösen. Je prekärer und ungeschützter die Unterbringung für Frauen ist, umso mehr sind sie auch gefährdet, erneut Opfer sexueller Übergriffe zu werden.
Ein Gefühl von Sicherheit zu entwickeln, ist unter diesen Umständen kaum möglich!

Die ursprünglichen Pläne der Bundesregierung, die Länder gesetzlich zu verpflichten, in Unterkünften bauliche Mindeststandards wie getrennte Räume und abschließbare Sanitärbereiche bereitzustellen, sind im neuen Asylpaket II gestrichen. Angesichts dieses herben Rückschlags für die Rechte von geflüchteten Frauen ist es umso wichtiger, die gegebenen Handlungsspielräume auf kommunaler und auf Landesebene zu nutzen und Maßnahmen zum Schutz der Betroffenen zu treffen.

Erfreulicherweise wurden in München in 2015 ein Wohnprojekt für besonders schutzbedürftige Frauen und zu Beginn dieses Jahres die bayernweit erste Unterkunft für alleinstehende Frauen, für Mütter mit Kindern und für Schwangere eröffnet.
Das Aktionsbündnis für Flüchtlingsfrauen begrüßt diesen wichtigen Schritt zur geschützten Unterbringung von Frauen und Kindern und weist auf die Notwendigkeit eines schnellen und bedarfsgerechten Ausbaus hin.
Um die Unterbringungssituation nachhaltig zu verbessern und die Sicherheit von Frauen und Kindern vor Übergriffen und geschlechtsspezifischer Gewalt zu gewährleisten, sind jedoch bundes- und landesweit weitreichendere Schutzmaßnahmen erforderlich.

3. Unsere Forderungen

  • Die Umsetzung der EU-Aufnahmerichtlinie in Bezug auf besonders schutzbedürftige Flüchtlinge, die bereits bis zum Juli 2015 in nationales Recht überführt werden sollte. Ein Großteil der geflüchteten Frauen erfüllt die Definition von besonderer Schutzbedürftigkeit.
  • Separate Unterkünfte für allein reisende bzw. alleinstehende geflüchtete Frauen und ihre Kinder. Wünsche der Frauen nach Art der Unterkunft ob gemischt oder nur für Frauen sollten berücksichtigt werden.
  • Ausbau von Wohnplätzen für besonders schutzbedürftige Frauen, die einen erhöhten Unterstützungsbedarf haben (schwere Traumatisierung, Behinderung, Krankheit), ggf. mit geschützter Adresse.
  • Räumliche Trennung der Schlafplätze und Sanitäranlagen für alleinstehende Frauen, alleinstehende Männer und Familien in gemischten Unterkünften. Alle Unterkünfte müssen auf weibliche Bedürfnisse und Schutzanforderungen zugeschnitten sein und mit z. B. Kochmöglichkeiten, gut erreichbaren und abschließbaren Sanitäranlagen ausgestattet sein.
  • Eine statistische Erfassung aller Flüchtlinge nach Geschlecht, um den Bedarfen von Frauen und Männern besser gerecht zu werden.
  • Mehr weibliches Personal sowie Schulungen des weiblichen und männlichen Personals zu geschlechtsspezifischer Gewalt, zur Vielfalt von sexuellen Identitäten sowie im Hinblick auf die besondere Situation von Frauen und ihren Kindern.
  • Ausbau gut zugänglicher und aufsuchender psychosozialer Unterstützungsangebote sowie spezifische Gesundheitsversorgung für Frauen und deren Kinder in den Unterkünften.
  • Menschenrechtskonforme Weiterentwicklung des Gewaltschutzsystems für Asylsuchende in Flüchtlingsunterkünften. Das Gewaltschutzgesetz muss auch in Unterkünften gelten und konsequent angewendet werden. Außerdem muss der Gewaltschutz konzeptionell und fachlich bei den Trägern und Betreibern von Unterkünften verankert werden.
  • Aufklärung von geflüchteten Frauen über rechtliche Konsequenzen und Möglichkeiten nach Gewalt und sexuellen Übergriffen.
  • Schulung von allen Flüchtlingen zur Gleichstellung von Frau und Mann in der Gesellschaft und zu den unterschiedlichen Lebensformen.
  • Umsetzung von Konzepten zur Arbeit mit geflüchteten Männern, besonders bezogen auf Werte- und Kulturvermittlung sowie Grund- und Menschenrechte; Angebote in Form von Beschäftigung und Aktivitäten.

München, den 15.03.2016

Aktionsbündnis für Flüchtlingsfrauen:
Ruth Back, Sozialdienst katholischer Frauen München e.V.; Katrin Bahr, Gudrun Keller, Condrobs e.V.; Maike Bublitz, Frauennotruf München; Waltraud Dürmeier, Frauenhilfe München gGmbH; Melina Meyer, LeTRa e.V.; Hester Butterfield, Jane Addams Zentrum e.V.; Monika Cissek-Evans, Fachberatungsstelle Jadwiga; Gundula Brunner, Sabine Wieninger, IMMA e.V.; Rosemarie Ghorbani, Alveni Caritas; Polina Hilsenbeck, FTZ gGmbH; Gabriele Höbenreich-Hajek, SOLWODI; Heidi Kurzhals; Prof. Dr. Susanne Nothhafft, Katholische Stiftungsfachhochschule Abt. München; Christian Reisenberg, pro familia; Jürgen Soyer, Refugio München; Munkhjin Tsogt-Ludwig, Mongolische Frauen in München; Ruth Weigel, Donna Mobile; Stephan Dünnwald, Bayerischer Flüchtlingsrat.


Hier können Sie das Positionspapier "Besonderer Schutz für geflüchtete Frauen und ihre Kinder" im Pdf-Format herunterladen >>
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